Religionskonflikte im 17.Jahrhundert am Beispiel der Probstei Warmbrunn

 

(aus dem Buch:"Konfession und Heilsgewissheit-Schlesien in der frühen Neuzeit"-von Arno Herzig)

 

Durch subtilere Widerstandsformen vermochten lutherische Untertanen ihre Konfession eher zu behaupten,wie das die Aktionen der Untertanen der geistlichen Herrschaft Warmbrunn zeigen.Die Probstei Warmbrunn,eine Stiftung der Adelsfamilie Schaffgotsch,gehörte als Priorat zur Zisterzienserabtei Grüssau.Das Verhältniss zwischen den Schaffgotsch und der Abtei Grüssau hatte sich in der Reformationszeit erheblich verschlechtert,als sich die Adelsfamilie  der Reformation anschloss und in der Folgezeit auch die Stiftsuntertanen lutherisch wurden.Als Patronatsherren machten die Schaffgotsch einen lutherischen Geistlichen zum Pfarer der Probsteikirche.Die Mönche mußten sich nach Grüssau zurückziehen.Trotz des Majestätsbriefs Kaiser Rudolfs II.von 1609,der für Schlesien die faktische Anerkennung und Duldung der bestehenden Konfessionsverhältnisse garantierte,versuchte Abt Martin Clavaei,nach dem Vorbild des Breslauer Bischofs sein Stiftsland zu rekatholisieren.Obgleich nach Ausbruch des Dreiäigjährigen Krieges die protestanischen böhmischen Stände ein Jahr später 1619 den hohen und niederen Klerus Schlesiens verpflichteten,den Majestätsbrief zu beachten,setzte im selben Jahr der Grüssauer Abt in dem lutherischen Schömberg an die Stelle des lutherischen Predigers einen katholischen Geistlichen.Die Bedrohung durch heranrückende katholische bayrische Truppen führte am 29.Dezember 1620 zur Ermordung des Abts durch die verzweifelten Schömberger.Nach der entscheidenen Schlacht am Weißen Berg bei Prag am 8. November 1620 hatte sich die Situation entscheidend zugunsten der katholischen Habsburger gewendet,die nun unter Ferdinand II.ihre Länder zu rekatholisieren versuchten.Für Schlesien hatte der sächsische Kurfürst im Dresdner Akkord von 1621 die Zusage erreicht,dass die Lutheraner ihre Konfession beibehalten durften.Für Warmbrunn war die Politik des Schaffgotscher Freiherrn Hans UlrichII.(Reg.1595-1635) ausschlaggebend.Obgleich Protestant,gehörte er zum engeren Kreis um Wallenstein und war in dessen Umsturzpläne eingeweith,die auch eine Neuordnung Schlesiens vorsahen.Nach der Ermordung Wallensteins wurde ihm deshalb 1635 in Regensburg von Kaiser Ferdinand II.der Prozess gemacht,der mit Schaffgotschs Hinrichtung und dem Einzug seiner Güter endete.Seine Kinder wurden katholisch erzogen.Sein Sohn Graf Christoph Leopold von Schaffgotsch erhielt 1650 Teile aus dem Besitz seines Vaters zurück,darunter auch Warmbrunn,wohin er 1675 den Familiensitz verlegte ,nachdem die Burg Kynast nach einem Blitzschlag total ausgebrannt war.

Im Herzogtum Schweidnitz-Jauer,zu dem Warmbrunn gehörte,war bis auf die beiden Friedenskirchen in Schweidnitz und Jauer das evangelische Kirchentum zwar abgeschafft,aber die Protestanten durften ihre Konfession beibehalten,wiewohl sie sich offiziel dem katholischen Kirchenleben anpassen mussten.Alle Kirchen waren ausschließlich mit katholischen Geistlichen besetzt,Gottesdienste,Taufen,Trauungen und Beerdigungen konnten also nur gemäß der katholischen Konfession stattfinden.Die katholischen Obrigkeiten ließen jedoch nichts unversucht,die schlesischen Protestanten allmählich zu rekatholisieren und wurden dabei von den Jesuiten,aber auch von einflussreichen Äbten unterstützt.Die bedeutensde Abtpersönlichkeit in der zweiten Hälfte des 17.Jahrhunderts war in Schlesien zweifelsohne der Grüssauer Abt Bernhard Rosa(Reg.1660-1696).Nach der für die Katholiken glücklichen Wende am Weißen Berg hatten die Grüssauer Abte mit Rekatholisierungsmaßnahmen in ihrem Stiftsland begonnen und trotz bedrohlicher Haltung der lutherischen Bev�lkerung das Abendmahl sub una specie,also das Verbot der Kelchkommunion,durchzusetzten versucht.Auch Warmbrunn versuchten die Gr�ssauer �bte nach der Konfiskation der Schaffgotschen Besitzungen wieder unter ihre Gewalt zu bekommen.1634/35 wurde P.Andreas Michaelis zum Probst von Warmbrunn ernannt.Gleichzeitig war er Vizehauptmann der Herzogt�mer Schweidnitz-Jauer und kaiserlicher Adminstrator der Schaffgotschen G�ter.Die Probsteikirche wurde nun wieder mit katholischen Geistlichen besetzt,aber der Vertrag von 1616,der den Schaffgotsch das Erbscholzenamt und die Schenke mit dem "Zapfengeld" zugesprochen hatte,blieb bestehen,ja trotz der nun f�r die Abtei g�nstigeren Voraussetzungen verl�ngerte Abt Bernhard Rosa 1664 diese f�r die Probstei ung�nstige Transaktion.Bernhard Rosa hat darin wohl den gr��ten Fehler seines Lebens gesehen.Noch 1693 hielt er auf dem Zisterzienser-Provinzialkapitel in Heinrichau eine Rechtfertigungsrede und Selbstanklage.Die Urkunden,die eine g�nstigere Position der Abtei gegen�ber den Schaffgotsch dokumentieren,h�tten ihm damals nicht zur Verf�gung gestanden,und er verpflichtete sich,mit der Herrschaft Kynast einen neuen Vertrag zu schlie�en.Diese Erkl�rung lie� er von allen anwesenden �bten unterzeichnen und besiegeln.Doch zu seinen Lebzeiten kam ein neuer Vertrag nicht mehr zustande.Erst 1707 einigten sich sein Nachfolger Abt Dominicus Geyer(Reg.1696-1726) und Hans Anton Graf Schaffgotsch �ber alle strittigen Punkte.Obgleich die Schaffgotsch nun wieder katholisch waren und Abt Bernhard Rosa auch mit gewaltsamen Methoden sein Stiftsland zu rekatholisieren versuchte,indem er z.B.die Protestanten aus Reichshennersdorf vertrieben und ihre H�user und Stellen mit Katholiken besetzt hatte,wof�r ihn der Kaiser tadelte,gelang ihm,wie die Chronik n�chtern mitteilt,dies in Warmbrunn und Voigtsdorf nicht.Die dortigen Untertanen blieben lutherisch,lie�en ihre Kinder heimlich lutherisch taufen oder besuchten lutherische Gottesdienste in den W�ldern und vernachl��igten die katholischen Gottesdienste in der Propsteikirche.Der Prior Heinrich lie� es hier nicht zum Konflikt kommen,sondern betonte 1674 anl�sslich von Klagen seiner lutherischen Untertanen gegen�ber dem Grafen Schaffgotsch:,"ob ich mit selbigen(den Untertanen) nicht nachbarlich gehandelt,als unl�ngst derjenige Praeceptor,welcher bei den Unkatholischen Kinder instruiret,in den W�lder geloffen und �ffentlich gepredigt,denen k�niglichen Amtspatenten zuwider,ein Pr�dikant heimlich eingeschlichen und in einem Orte Kinder getauft,ich ihn Herrn Amtsrichter nicht verklaget,sondern zur Verh�tung gro�er Ungnade und Ungl�ck solche vorzubringen,Friede bewahret....".Seit Bernhard Rosa versuchten die Gr�ssauer �bte sowohl in Gr�ssau als auch in Warmbrunn,durch einen demonstrativen Barockstil ihr Stiftsland als katholisches Land sinnf�llig zu machen.Dazu geh�rte die Sakralisierung der Landschaft,das bedeutet die Errichtung von Heiligenbildern,Kreuzen und Marters�ulen au�erhalb der Kirchen.1689 kam es deshalb in Warmbrunn zu einem Konflikt,als Bernhard Rosa gleichzeitig mit dem Neubau des Propsteigeb�udes und des Probsteibades an der dortigen Propsteikirche durch den Stiftsbaumeister Martin Urban Umbauten vornehemen lie�.Offenkundig verf�gte er,aus der sogenannten Teufelskapelle alle Grabdenkm�ler und Epiataphien der protestantischen Mitglieder der Schaffgotschfamilie zu entfernen,um die Kapelle f�r das Chorgebet zur Verf�gung zu haben.Nicht nur Graf Schaffgotsch protestierte dagegen heftig,sondern die Warmbrunner und Herischdorfer Untertanen,"rottierten" gegen die M�nche und bedrohten sie mit F�usten,weil diese"mit Bebauung des neuen Chores ein gutes Teil vom Kirchhof eingenommen".Die Untertanen widersetzten sich der Exhumierung weiterer Leichen,zumal diese erst kurz vorher begraben worden waren.Unter Auf�hrung der Dorfrichter bzw. Scholzen supplizierten sie deshalb durch eine Deputation erfolgreich bei Graf Schaffgotsch in Breslau,der f�r ihre Belange und die eigenen bei Abt Rosa vorstellig wurde.Auch gegen die Zeichen eines demonstrativen Katholizismus,wie er in der Einrichtung der sakralen Landschaft deutlich wurde,erhielten die Untertanen die Unterst�tzung der gr�flichen Beamten,die protestantisch waren.So lie� der gr�fliche Amtsverwalter 1693 eine Marters�ule ausgraben,die der Prior auf gr�flichen Grund hatte errichten lassen und sie "unter allerhand Mutwillen des gemeinen Volkes"in die Probstei zur�ckbringen.Nichts unternehmen konnten die evangelischen Untertanen allerdings gegen dergleichen symbolische Akte,wenn der Propst �ber den Grund und Boden verf�gte.So wurde die lutherische Gemeinde Voigtsdorf,ein Dorf,das der Propstei geh�rte,"gen�tigt,ein Kreuz zu bauen und zu unterhalten,ohne wissen warum".Ebenso z�hlte zu den Pflichten der protestantischen Voigtsdorfer "zugleichen am Fest corpus Christi das Leuten,Paukentragen,Birkenstecken,Altar bauen,Gras streuen,an Ostern das Hl.Grab bauen,nichtsweniger an Weihnachtsfeiertagen das Krippelbauen".

Abt Rosa reagierte auf den Widerstand der protestantischen Untertanen mit einer exorbitanten Heraufsetzung der Stolgeb�hren,das meint Geb�hren f�r geistliche Dienste,die weit �ber die kaiserlichen Stolentaxa von 1662 hinausging.Gegen�ber dem Grafen,der deshalb bei ihm reklamierte,argumentierte Rosa,"da� aber eine andere,jedoch gleichm��ige Taxa von den vornehmeren Grabstellen wegen Lutherischen von Eisen aufgesteckten Epitaphien und anderer mit gemeinen Vorz�gen blo� zum Besten der Kirchen genommen werde".Die lutherischen Stiftsuntertanen reagierten darauf offensichtlich damit,dass sie sich zwar heimlich lutherisch trauen,ihre Kindern auch heimlich taufen lie�en,auf die offizielen katholischen Trauungen aber verzichteten,um so die Sporteln nicht entrichten zu m�ssen.1674 klagt deshalb Prior Heinrich gegen�ber dem Grafen Schaffgotsch:" Das 6. und 9. der 10 Gebote scheint in den Orten ganz erloschen zu sein,und m�ssen dessen nebst weltlichen und geistlichen Personen die Kirchenb�cher selbst Zeuge sein ".Bei allen Rekatholisierungsversuchen durch die Gr�ssauer �bte seit dem beginnenden 17.Jahrhundert ,vor allem unter Abt Bernhard Rosa,hatten die Voigtsdorfer auch trotz der Stolgeb�hren,die sie dem katholischen Pfarrer f�r seine kirchlichen Funktionen und die Schule zahlen mussten,am evangelischen Glauben festgehalten.Als 1709 die Hirschberger Gnadenkirche gebaut wurde,deren Gottesdienste die Voigtsdorfer wohl nun besuchten,hatten sie dem Warmbrunner Propst versprechen m�ssen,"ihre sonst gew�hnliche Taxen jederzeit beizubehalten".Sofort nach der Eroberung durch Preu�en hatten sie an Friedrich II. das Ersuchen gerichtet,den evangelischen Gottesdienst Augsburger Konfession abhalten zu d�rfen,was ihnen der K�nig am 13.Dezember 1741 erlaubte.Die Voigtsdorfer beriefen daraufhin Jonathan Gottlieb Schwerdtner zum ordentlichen Prediger,der am 14.Januar 1742 in einem Bauernhaus seine erste Predigt hielt.Der Propst musste ihnen nolens volens am 20.Januar 1742 den Bau eines ordentlichen Bethauses gestatten,das noch im selben Jahr aus Holz und ohne Turm errichtet und eingeweith wurde.Dasselbe Recht erhiehlten 1741 auch die Warmbrunner,die am 18.M�rz 1742 ihr Bethaus" beziehen und inauguriren" konnten.Zu ihrem Prediger w�hlten sie Magister Adam Gottfried Thebesius.Die preu�ische Politik lief gem�� Friedensvertrag darauf hinaus,die kirchlichen Verh�ltnisse so zu belassen,wie sie vorgefunden wurden.Das bedeutete,dass trotz der Erlaubniss zur Errichtung protestantischer Beth�user an den alten Pfarrverh�hltnissen und den damit verbundenen Stolgeb�hren zun�chst nichts ge�ndert werden sollte.Die Weigerung der Voigtsdorfer,ihre Steuern und Abgaben an ihre geistliche Herrschaft zu entrichten-allein die Steuern betrugen 1000 Mark-sowie die zahlreichen Dienste,Holzfuhren und �hnliches,zu leisten,dazu die Stolgeb�hren nach eigenem Ermessen zu zahlen,fand nicht die Zustimmung der k�niglichen Regierung.Sie war an einem Steuerboykott der Propsteiuntertanen schon deshalb nicht interessiert,weil die H�lfte der Stiftseinahmen an den Staat als Steuern abgef�hrt werden mussten.So war zwar von den lutherischen Untertanen nach 1740 der konfessionele Druck genommen,die Verpflichtungen waren jedoch geblieben.Gleichberechtigt mit den katholischen Untertanen in den katholischen Pfarreien waren sie noch nicht,und es mutet eher wie eine Protesthaltung an,wenn der Warmbrunner Prediger Thebesius am Karfreitag 1743,einem Tag,an dem die Katholiken die Glocken nicht l�uten lassen,die Glocken der Propsteikirche f�r den evangelischen Gottesdienst gel�utet haben wollte.Die lutherischen Untertanen der geistlichen Herrschaft Warmbrunn vermochten so ihren lutherischen Glauben bis in die preußische Zeit zu retten.Vermutlich fanden sie Rückhalt in der lutherischen Bürgerschaft Hirschbergs, die ihrerseits noch vor der Erlaubnis zur Errichtung einer Gnadenkirche(1709) ihren lutherischen Glauben mit ihren reich ausgestatteten Grabkapellen demonstrierte,worauf sich wohl die Replik des Abts Bernhard Rosa bei Heraufsetzung der Sporteln für lutherische Untertanen bezog.Gewaltsame Aktionen gegenüber lutherische Untertanen mit der Folge, dass diese auswanderten,waren nicht durchgängig möglich, sollte der wirtschaftliche Aufbau des Landes nach dem Dreißigjährigen Krieg nicht völlig scheitern, zumal die Rekatholisierung durch ihr Barockprogramm mit hohen Kosten verbunden war.

Probstei Warmbrunn

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